Zum Hauptinhalt springen
Corporate Design Brief richtig erstellen
Design

Corporate Design Brief richtig erstellen

Mit einem klaren Corporate-Design-Brief sparst du Abstimmung, vermeidest teure Schleifen und bringst dein Branding gezielt und schneller auf den Punkt.

Raphael BognerRaphael Bogner · Founder

Ein neues Logo ist schnell bestellt. Ein stimmiger Markenauftritt, der auf Website, Visitenkarte, Social Media und Fahrzeugbeschriftung funktioniert, braucht mehr Klarheit. Wer einen Corporate Design Brief richtig erstellen möchte, legt vor dem ersten Entwurf fest, wofür die Marke steht, wen sie erreichen soll und was das Design konkret leisten muss. Das spart Zeit, verhindert kostspielige Korrekturschleifen und führt zu Ergebnissen, die sich langfristig einsetzen lassen.

Gerade kleine Unternehmen, Selbstständige und wachsende Marken haben selten eine eigene Marketingabteilung. Umso wichtiger ist ein Briefing, das nicht nach Agentursprache klingt, sondern Entscheidungen einfach macht. Du musst dafür kein:e Designer:in sein. Du musst nur die richtigen Informationen liefern.

Warum ein Corporate-Design-Brief mehr als ein Formular ist

Ein Brief ist die gemeinsame Arbeitsgrundlage zwischen dir und dem Designteam. Er übersetzt dein Wissen über dein Unternehmen in eine klare Richtung für Gestaltung, Kommunikation und Umsetzung. Fehlt diese Basis, beginnt ein Projekt oft mit Sätzen wie „Mach es modern“ oder „Es soll hochwertig wirken“. Das ist verständlich, aber zu offen.

Modern kann für einen Installationsbetrieb etwas völlig anderes bedeuten als für eine Personal Brand oder ein Café. Hochwertig kann minimalistisch, klassisch, technisch oder expressiv aussehen. Erst der Kontext macht solche Begriffe verwertbar.

Ein gutes Briefing schafft deshalb nicht nur kreative Freiheit, sondern auch klare Grenzen. Designer:innen erkennen schneller, welche Ideen passen, welche bewusst nicht passen und wo Rückfragen nötig sind. Für dich bedeutet das: weniger Abstimmung, bessere Entscheidungen und ein Designprozess, der im Tempo deines Unternehmens bleibt.

Corporate Design Brief richtig erstellen: Die 8 entscheidenden Inhalte

1. Ausgangslage und Anlass beschreiben

Starte nicht mit Farben oder Logos, sondern mit dem Grund für das Projekt. Geht es um eine Neugründung, einen Generationenwechsel, eine Neupositionierung oder einen Auftritt, der einfach nicht mehr zu deinem Unternehmen passt? Beschreibe ehrlich, was aktuell nicht funktioniert.

Zum Beispiel: Die bestehende Website wirkt unübersichtlich, das Logo ist auf Social Media kaum lesbar oder Kund:innen erkennen nicht sofort, welche Leistungen angeboten werden. Je konkreter die Ausgangslage, desto besser kann die Gestaltung darauf reagieren.

Auch der Umfang gehört hierher. Brauchst du nur ein Logo-Refresh oder ein vollständiges Corporate Design mit Farbwelt, Schriften, Bildsprache, Vorlagen und Website? Ein kleiner Start kann sinnvoll sein, wenn Budget oder Zeit knapp sind. Wichtig ist nur, dass das Design später erweiterbar bleibt.

2. Ziele definieren, die man im Alltag spürt

„Mehr Sichtbarkeit“ ist ein gutes Ziel, aber noch keine klare Richtung. Frag dich stattdessen: Was sollen Menschen nach dem Kontakt mit deiner Marke denken, fühlen oder tun?

Vielleicht soll dein Betrieb professioneller wirken, damit größere Anfragen entstehen. Vielleicht willst du dich klar von günstigen Mitbewerbern abgrenzen. Oder deine Marke braucht mehr Wiedererkennung, weil Website, Instagram und Drucksorten derzeit wie drei verschiedene Unternehmen aussehen.

Formuliere zwei bis vier Prioritäten. Zu viele Ziele machen den Prozess unnötig diffus. Wenn etwa Vertrauen und regionale Nähe wichtiger sind als ein lauter Trend-Look, sollte das im Brief klar sichtbar sein.

3. Zielgruppe konkret statt allgemein benennen

„Alle zwischen 20 und 60“ hilft niemandem. Beschreibe die Menschen, die du tatsächlich gewinnen möchtest: ihre Branche, Situation, Erwartungen und mögliche Bedenken. Bei einem lokalen Handwerksbetrieb kann das die Hausbesitzerin sein, die Verlässlichkeit und klare Kommunikation sucht. Bei einer Beraterin vielleicht der Geschäftsführer, der fachliche Kompetenz schnell einordnen will.

Hilfreich sind Fragen wie: Was beschäftigt diese Personen gerade? Wie finden sie dich? Worauf achten sie bei der Auswahl? Welche Sprache verstehen sie? Und was lässt sie zögern?

Deine Zielgruppe bestimmt nicht jeden einzelnen Gestaltungsschritt. Sie gibt aber den Rahmen vor. Eine Marke für junge, urbane Kund:innen darf anders auftreten als ein Traditionsbetrieb, dessen Stärke Erfahrung, Handschlagqualität und regionale Bekanntheit sind.

4. Marke, Persönlichkeit und Werte auf den Punkt bringen

Corporate Design ist kein Dekor. Es macht deine Haltung sichtbar. Beschreibe daher, wie dein Unternehmen wahrgenommen werden soll. Drei bis fünf passende Begriffe reichen meist aus, etwa direkt, hochwertig, bodenständig, mutig oder präzise.

Ergänze auch, was deine Marke ausdrücklich nicht sein soll. Das ist oft besonders aufschlussreich: nicht beliebig, nicht verspielt, nicht abgehoben, nicht austauschbar. Solche Ausschlüsse helfen dabei, Entwürfe schneller zu beurteilen.

Wenn du bereits einen Markenkern oder Claim hast, gehört er ebenfalls in den Brief. Falls nicht, beschreibe in wenigen Sätzen, warum Kund:innen gerade bei dir kaufen sollen. Nicht die komplette Unternehmensgeschichte zählt, sondern das, was dich im Markt unterscheidet.

5. Leistungen und Angebotsstruktur verständlich machen

Ein Designteam muss wissen, was du verkaufst und wie deine Angebote zusammenhängen. Liste nicht nur Leistungen auf, sondern erkläre sie kurz. Besonders dann, wenn dein Angebot erklärungsbedürftig ist oder mehrere Zielgruppen anspricht.

Ein Beispiel: „Elektroinstallationen“ ist breit. „Planung, Smart-Home-Installation und Sanierung für private Bauprojekte im Raum Linz“ zeigt viel genauer, wofür die Marke stehen soll. Diese Informationen beeinflussen Tonalität, Bildwelt, Inhalte und spätere Anwendungen.

Nenne auch Leistungen, die künftig wichtiger werden sollen. Dein Corporate Design soll nicht nur den heutigen Stand abbilden, sondern deinem Unternehmen Raum für Entwicklung geben.

6. Wettbewerb und Referenzen sinnvoll einordnen

Zeig, welche Mitbewerber:innen deine Zielgruppe ebenfalls sieht. Es geht nicht darum, andere Marken zu kopieren. Es geht darum, Muster zu erkennen: Sehen in deiner Branche alle gleich aus? Wird fast überall mit denselben Farben gearbeitet? Fehlt es an Klarheit, Persönlichkeit oder hochwertiger Präsentation?

Referenzen sind ebenfalls wertvoll, wenn du sie erklärst. Statt nur Screenshots oder Links weiterzugeben, schreib dazu, was dir daran gefällt: die ruhige Typografie, der mutige Farbeinsatz, die klare Bildsprache oder die Struktur. Genauso hilfreich ist, was dir nicht gefällt.

Achtung bei der Aussage „Genau so will ich es“. Ein gutes Corporate Design braucht eine eigene Handschrift. Referenzen sind ein Gesprächsstart, keine Vorlage.

7. Bestehende Materialien und technische Anforderungen sammeln

Hier wird es praktisch. Lege alles bereit, was bereits vorhanden ist: bisherige Logos, Farben, Schriftdateien, Fotos, Texte, Präsentationen, Drucksorten und Zugänge zu digitalen Kanälen. Auch alte Materialien können nützlich sein, selbst wenn sie ersetzt werden sollen.

Definiere, wo das Design eingesetzt wird. Für eine Website gelten andere Anforderungen als für einen Messestand, eine Arbeitskleidung oder ein Profilbild. Ein Logo muss etwa auf einem großen Schild wirken, aber auch als kleines Icon erkennbar bleiben.

Nenne außerdem fixe Vorgaben. Gibt es rechtliche Hinweise, bestehende Kooperationen, Pflichtfarben, Förderlogos oder technische Systeme, die berücksichtigt werden müssen? Solche Details sollten nicht erst kurz vor dem Launch auftauchen.

8. Budget, Zeitplan und Entscheidungswege offen ansprechen

Ein transparentes Briefing spart auf beiden Seiten Energie. Nenne deinen gewünschten Starttermin, wichtige Meilensteine und den Zeitpunkt, zu dem das Ergebnis live gehen soll. Plane einen Puffer ein, besonders wenn Drucksorten, Fotoshootings oder mehrere interne Freigaben dazugehören.

Auch das Budget gehört auf den Tisch. Es muss nicht auf den Euro genau feststehen, aber ein realistischer Rahmen hilft, den Umfang passend zu planen. Mit einem klaren Budget lässt sich priorisieren: zuerst Markenbasis und Website, später Vorlagen, Kampagnen oder weitere Anwendungen.

Kläre zuletzt, wer entscheidet. Wenn fünf Personen Feedback geben, aber niemand die finale Freigabe hat, werden aus guten Entwürfen schnell Kompromisse. Ideal ist eine Ansprechperson, die Rückmeldungen bündelt und Entscheidungen zeitnah trifft.

So formulierst du Feedback, das wirklich weiterhilft

Ein Corporate-Design-Projekt lebt vom Austausch. „Gefällt mir nicht“ ist ehrlich, bringt den Prozess aber kaum weiter. Besser ist: „Die Schrift wirkt auf uns zu verspielt, weil wir im B2B-Bereich mehr Ruhe und Kompetenz zeigen wollen.“ So wird klar, welches Ziel hinter dem Feedback steckt.

Trenne persönlichen Geschmack von strategischer Wirkung. Du musst nicht jede Farbe selbst lieben. Entscheidend ist, ob sie zur Marke, Zielgruppe und Positionierung passt. Gleichzeitig darfst du klar sagen, wenn etwas nicht zu deinem Unternehmen passt. Gute Gestaltung entsteht im Dialog, nicht durch blindes Abnicken.

Bei MaYE Media setzen wir genau hier an: mit direkter Kommunikation, klaren Zwischenschritten und Gestaltung, die nicht nur gut aussieht, sondern im echten Unternehmensalltag funktioniert.

Ein Briefing muss nicht perfekt sein

Viele Unternehmen warten zu lange, weil sie glauben, zuerst jede Markenfrage vollständig beantworten zu müssen. Das ist nicht nötig. Ein guter Brief schafft eine belastbare Richtung - offene Punkte können im Gespräch geklärt werden.

Wichtig ist, dass du nicht mit leeren Schlagworten startest, sondern mit deiner Realität: Was willst du erreichen? Wen willst du überzeugen? Was soll deine Marke künftig ausstrahlen? Wenn diese Antworten stehen, wird aus einem Designauftrag ein Auftritt, der dir Arbeit abnimmt und bei den richtigen Menschen hängen bleibt.

Raphael Bogner
Über den Autor
Raphael Bogner
Mediendesigner & Softwareentwickler

Raphael ist Founder von MaYE Media und seit 2020 selbstständig als Mediendesigner und Softwareentwickler. Er verantwortet Webentwicklung mit Next.js & React, Videoschnitt für Creator und KMUs sowie Hosting und Infrastruktur.

Mehr über MaYE Media